Am Anfang war Abraham
Abraham und das Schafsopfer Abraham gilt den drei Religionen Judentum, Christentum und Islam als Stammvater. Gemeinsam ist den drei Religionen, dass sie den Ein-Gott-Glauben vertreten (= monotheistische Religionen). Sowohl die Bibel, als auch der Koran erzählen von Abrahams Leben, seinen Frauen und seinen Kindern. Die Juden nennen ihn "Avraham", die Araber "Ibrahim". Ob Abraham wirklich gelebt hat, ist ungewiss: Die Wissenschaft hat bisher keine Beweise dafür gefunden. Wenn ja, dann lebte Abraham wohl vor über 3000 Jahren. Das Schafsopfer in der Bibel: Nach den Angaben der Bibel zog Abraham mit seiner Familie als Nomade im Nahen Osten umher. Aus seiner Heimatstadt Ur im heutigen Südirak wanderte er bis ins Land Kanaan, dem heutigen Israel bzw. Palästina. Wahrscheinlich hatte er Schafe, Ziegen und Kamele dabei. In Jerusalem stellte Gott Abraham auf eine harte Probe: Er sollte seinen Sohn opfern, um so seine Treue gegenüber Gott zu beweisen. Abraham gehorchte. In der Bibel (Genesis bzw. 1. Buch Moses 22) heißt es dazu: „Abraham baute den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.“ Als Abraham schon das Messer in der Hand hielt, um seinen Sohn zu schlachten, stoppte ihn ein Engel Gottes: „Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide!“ Es habe sich nur um eine Glaubensprüfung gehandelt. „Jetzt weiß ich“, sprach der Engel zu Abraham, „dass du Gott fürchtest.“ Anstelle des Kindes wurde nun ein Schaf geopfert. Dazu heißt es in der Bibel: „Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.“ Die Opfergeschichte im Koran: Auch der Koran, das heilige Buch der Muslime, schildert die Beinahe-Opferung von Abrahams Sohn. In Sure 37, Vers 102, heißt es, dass der Junge mit seiner Schlachtung einverstanden gewesen sei. Er sagte zu Abraham: "O mein Vater, tu, was dir befohlen wurde." Wie die Bibel erzählt auch der Koran, dass der Aufruf zur Opferung nur ein Test gewesen sei: Abrahams Sohn blieb unversehrt. Während Abrahams Sohn in der Bibel Isaak (hebräisch: Jizchak) heißt, bleibt er im Koran namenlos. Viele Muslime meinen, dass es sich bei dem zu opfernden Sohn nicht um Isaak, sondern um Abrahams älteren Sohn Ismael gehandelt habe. Abrahams Söhne Ismael und Isaak: Tatsächlich waren beide Kinder, so heißt es, Söhne Abrahams. Sie hatten jedoch verschiedene Mütter: Während Ismaels Mutter die Ägypterin Hagar war, war Isaaks Mutter die Jüdin Sara. Sara war Abrahams Hauptfrau, Hagar eine Nebenfrau. Aufgrund der unterschiedlichen Mütter sehen die Juden in Isaak ihren Ahnherrn, die Araber dagegen in dessen Bruder Ismael. Manche meinen daher, dass Juden und Araber eigentlich „Cousins“ seien. Das islamische Opferfest Noch heute erinnert das wichtigste islamische Fest an Abraham: Das Opferfest (arabisch „Id al-Adha“) findet jedes Jahr im Pilgermonat Dhu al-Hidscha statt und dauert drei bis vier Tage. Dabei schlachtet jede muslimische Familie in Erinnerung an Abrahams Tieropfer ein Schaf, eine Ziege, ein Rind oder ein Kamel. Verboten sind nur Schweine, da Schweinefleisch im Islam als unrein gilt (im Judentum übrigens auch). Familien, die nur wenig Geld besitzen, können sich auch zusammenschließen und gemeinsam ein Tier kaufen. Geschlachtet wird das Tier am ersten Tag des Festes. Dazu versammeln sich alle Familienmitglieder im Haus oder im Garten. Das Fleisch wird dann durch drei geteilt: Ein Drittel erhalten die Nachbarn, ein Drittel die Armen, und aus dem letzten Drittel kocht die Familie bzw. die Familien ein Festessen. Claudia Stodte, Hamburg Islamwissenschaftlerin Autorin der Bücher Reiseführer "Iran" und "Hamburg entdecken & erleben" |