Mächtige Merinofreunde im Mittelalter Spaniens
Einleitung Merino, Transhumanz, Kolonial- und Maurengeschichte Alles begünstigte die Viehzucht: die zerstörten Dörfer, die brachliegenden Felder, die verschwundenen Wälder. Je weiter die Mauren nach Süden gedrängt wurden, umso mehr drückten die christlichen Viehzüchter in die frei gewordenen Räume nach, und wurden dadurch eine treibende Kraft der Wiedereroberung. Im Frühjahr zogen so die riesigen Herdenaus den milden Regionen des Südens in den gebirgigen und kühleren Norden Hier wurden sie geschoren, verbrachten den Sommer auf den gesunden Weiden, um dann im herbst wieder in ihre Winterquartiere in der Extremadura und Andalusien zurückzukehren. Doch die zahlreichen Konflikte zwischen den wandernden Herden und den Bauern sowie den ortsfesten Schafshaltern verlangte eine Regelung mirt besonderer Gerichtsbarkeit. Ende des 13. Jahrhunderts, als sich die ganze Halbinsel außer der region Granada wieder im Besitz der spanischen Krone befand, gründenten die adligen und klerikalen Herdenbesitzer unter dem Schutze des Königs ihre eigene Vereinigung, die "Mesta". Das Wort stammt vermutlich aus dem Wortschatz der Berber, und bedeutet winterliches Lager. Es waren 46.200 Mitglieder mit insgesamt 4,3 Millionen Schafen. Die Transhumanzwege, canadas genannt und bis zu 75 Meter breit, durchzogen exclusiv für die Mestamitglieder und ihren transhumanten Herden in der Hauptrichtung Nord-Süd das Land. Bis zu 800 km lang und mit vielen Querverbindungen vernetzten sie die Weiden des Sommers und Winters. Zwischen 3,5 und 5 Millionen Schafenwaren jedes Jahr unterwegs, geführt von 25.000 Schäfern und ebenso vielen Hunden. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Bauern unter dieser Last litten. Der Ackerbau war über das Erträgliche hinaus beeinträchtigt, weil in späteren Zeiten die durchziehenden Herden auch noch die umliegenden Flächen abweiden durften. Doch die feine Wolle der Schafe war der Exportschlager und Devisenbeschaffer des Landes. Besonders nach Flandern, Oberitalien und auch England wurde die konkurrenzlos preiswerte und feine Wolle geliefert, die Könige finanzierten damit ihre jetzt weltumspannenden Unternehmen. [Anmerkung: Das heißt die Eroberung vor allem Mittel- und Südamerikas.] Doch gegen Ende des 16. Jahrhunderts formierte sich ein erheblicher Widerstand gegen die Mesta. Die Landbesitzer rebellierten erfolgreich gegen die dauernde Beweidung ihrer Flächen und die Zahl der Schafe nahm ab. Wenn auch im 18. Jahrhundert die die Wirtschaftsblütezeit der Merinoschafe in Spanien bereits abgeklungen war, galt die Wolle der Merinos jedoch - bis heute! - europa- und weltweit als die edelste. Schafszüchter in "Deutschland" und anderswo bemühten sich um den Import von Merinoschafen mit dem Ziel, damit die eigene Wollwirtschaft zu verbessern.Mehr dazu bei: "Merino kommt mir spanisch vor" Zwar wurde immer wieder von Seiten der spanischen Krone versucht, die Mesta zu erhalten, ja sogar auszubauen, doch die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Europa brachte 1836 das endgültige Aus. Über ein halbes Jahrtausend hatte diese Vereinigung die Geschichte Spaniens mitdiktiert. Letztlkich kapitulierte sie und die Schafhaltung - auch wegen anderer vielfältiger Faktoren, so z.B. vor der Baumwolle aus England [British Empire], den USA und den preiswerteren Schafwollen aus Australien. Doch diese Darstellung zeigt, wie allein die Schafzucht den Werdegang eines Staates mitbestimmen konnte. Aus: Manfred Reinhardt: Das goldene Vlies Als die Merinoschafe nach Würtemmberg kamen prologoverlag Münsingen Postfach 1270, 72525 Münsingen mehr über die Merinos |