Nomadische Herden in PersienWenn Lämmer noch zu klein sind, um mit den Nomaden zu wandern, dürfen sie auf den Muli-Rücken. Die englische Autorin Vita Sackville-West [www] hat im Jahre 1927 den heutigen Iran bereist. In den Bakhtiari-Bergen hat sie Nomaden mit ihren Herden erlebt und folgendermaßen beschrieben: "Der Hang war übersäht mit blökenden Tieren. Ja, es schien uns, als würde der Abhang selbst sich auf uns zubewegen, als hätten die Steine und Felsen sich plötzlich gelöst und würden den Berg herunterpurzeln, bald einzeln, bald in einer Kaskade, die sich stetig vom Gipfel ergoss ... Im Frühjahr verlassen die Nomaden die verdorrten Ebenen; im Herbst kehren sie wieder um, treiben ihr gesamtes Eigentum, ihre gewaltigen Herden, zweihundert Meilen zurück über die Berge. Und wir waren jetzt mitten unter ihnen, ganz im wörtlichen Sinne, denn ihre herden umbrandeten uns, machten jedes Vorwärtskommen unmöglich, und wir mußten geduldig im Sattel sitzen, auf ein Meer von Tierrücken herunterschauen und warten, bis der Weg wieder frei war und unsere Maultiere mit plötzlicher Fraftanstrengung auf dem steilen, felsigen Pfad einige Meter weiterklettern konnten ... Wir schwammen gegen diesen lebendigen Strom, sahen ständig neue Tiergesichter auf uns zukommen, trieben einen Keil in die herde, die sich einen Moment lang teilte, um sich hinter uns wieder zu schließen und weiterzufluten. Das Gefühl, das mich beschlich, war das der Sklaverei, der Notwendigkeit; diese Nomaden, dachte ich, während ich mein Maultier zu einer erneuten Kletterpartie antrieb, sind abhängig - trotz ihrer unabhängigkeit. Sie sind getrieben, gejagt, sind auf einen bestimmten Weg festgelegt, wie alle anderen Menschen." Abgedruckt in dem Reiseführer "Iran" von Claudia Stodte, Edition Temmen |