Achtung Schafe

Titelbild Sulawiki


Tikis Schafe in der Bibel

Das "Schäfchenbuch" von Tiki Küstenmacher
enthält humorige und informative Beiträge über Schafe in der Bibel. Es folgen auszugsweise ein Test und die Einleitung, in der die umfangreiche Bedeutung des Schafes in der Bibel erläutert wird.

"Wir wollen einmal einen kleinen Test machen. Falls Ihnen die Antwort spontan nicht einfällt, ist jeweils eine Bibelstelle als Lösungshilfe angegeben.

Welche Redensart stammt aus der Bibel?

Welche Redensart stammt aus der Bibel?

Welche Redensart stammt aus der Bibel?

Welche Redensart stammt aus der Bibel?

Wenn es ein biblisches Tier par excellence gibt, dann ist es das Schaf.
Kein Tier wird häufiger genannt und spielt in so vielen Geschichten eine maßgebliche Rolle.


Zugegeben: Es gibt auch noch andere Promis unter den biblischen Tieren: den Esel zum Beispiel – einer dieser zu Unrecht unterschätzten Huftiere kann ja in der Bibel sogar sprechen. Auch den großen Fisch in der Jonageschichte kennt jedes Kind. Das war zwar wohl ein Wal und damit ein Säugetier, aber die Schreiber der Bibel hatten ja nicht mit unserem biologischen Klassifikationssystem gearbeitet. Man denke dann noch an die Schlange, die eine nun wahrhaft unrühmliche Rolle im Buch der Bücher spielt. Wenigstens bekam sie auch ihre Strafe. Auch die Ziege wird nicht selten genannt. Jährlich wurde ja auch ein Ziegenbock als Sündenbock vom Volk Israel in die Wüste geschickt – symbolisch beladen mit den Sünden des ganzen Volkes. Quantitativ vermag auch das Rind in der Bibel zu glänzen – allerdings nur in Statistenrollen.

Alles in allem: Ans Schaf kommt keines der Tiere heran. Es ist die unangefochtene Nummer Eins. Das Schaf (in Einzahl, Mehrzahl und allen Beugungen) bringt es auf 352 Erwähnungen in der Bibel, dazu kommen 13 Wortzusammensetzungen (je 1-mal Schafhürden, Schafskäse, Schafpelze, Schafzüchter, Schafskleider und Schafstall, 3-mal Schafschur und 4-mal das Schaftor – der Name eines Stadttors in Jerusalem). Lamm und Lämmer gibt es 95. Bock und Böcke gibt es in der Bibel 66-mal, plus 7 Böcklein (können manchmal aber auch Ziegen sein). Und schließlich noch 148 Widder samt 7 Kombinationen (Widderfelle etc.). Summa summarum sind das (die Zusammensetzungen nicht mitgezählt) 661 Erwähnungen der Schafsfamilie.

Und warum haben die biblischen Autoren augenscheinlich so einen Narren am Schaf gefressen? Ein Grund liegt auf der Hand: Schafe gab’s im Alten Orient an jeder Ecke. Jeder kannte sie, jeder konnte sich was unter einer Schafherde vorstellen – wenn von Schafen die Rede war, hatte jeder schon gleich ein Bild vor Augen.

Dabei reden wir hier nun wirklich nicht von dem einen oder anderen Schäfchen oder idyllischen Herden mittleren Ausmaßes, wie man sie gelegentlich auch in unseren Breiten antrifft.

Die in der Bibel genannte Rekordanzahl von Schafen finden wir in 4. Mose 31,32: Als die Israeliten unter Mose ihren vernichtenden Feldzug gegen die Midianiter beendet hatten, betrug ihre Beute (unter anderem) 675.000 Schafe! Und als der Jerusalemer Tempel eingeweiht wurde, ließ König Salomo sich nicht lumpen. Er ließ sogar etwas springen, nämlich schlappe 120.000 Schafe über die Klinge – vielleicht die größte Schafsleichenansammlung der gesamten Weltliteratur. Das tat er natürlich nicht aus Blutrünstigkeit, sondern es sollte aus gegebenem Anlass ein besonders festliches Opfer für Jahwe sei.

Für das Volk Israel waren Schafe ungefähr das, was bei uns das Bruttosozialprodukt ist oder der DAX, die Automobilindustrie oder die Rentenversicherung. Schafherden waren die Existenzgrundlage, der Hauptwirtschaftszweig, die wichtigste Währung, Statussymbol und Altersvorsorge. Kein Wunder, dass das Schaf auch eine zentrale Rolle im religiösen Leben der Israeliten spielte.

Als Abraham von Gott zum Aufbruch in „das Land, das ich dir zeigen werde“ aufgefordert wurde, da war mit dem Land noch kein Grundeigentum gemeint, sondern lediglich eine Weidefläche. Die Israeliten waren, wie viele andere Volksstämme damals auch, Nomaden, und das heißt: Sie hatten keinen Grundbesitz. Sie ließen ihre Herden dort weiden, wo man sie nicht verjagte. Land war eigentlich genug da. Zwischen den Anbauflächen der sesshaften Ackerbauer gab es reichlich Gras- und Steppenflächen, auf denen sich die wolligen Vierbeiner satt fressen konnten – und die wiederum versorgten und ernährten ihre Besitzer.

Ein weiteres Argument für die Bevorzugung der Schafe in der Bibel ist, so könnte man meinen, dass sie sich als Schmusetier eher verkaufen lassen als andere Vierbeiner, wie etwa die Eidechse (um nur ein willkürliches Beispiel zu nennen). Doch das ist sicher nur ein untergeordneter Aspekt.

Nein, um es klar zu sagen, es gibt noch einen wesentlichen, sozusagen didaktischen Aspekt für das außerordentliche Schafsvorkommen in der Heiligen Schrift: Am Schaf kann der Bibelleser am besten erkennen, was ein Hirte ist. Der Hirte und seine Schafe – das ist sozusagen das Gleichnis-Dreamteam, an dem man am deutlichsten zeigen kann, wie Gott mit uns Menschen umgeht."


Buchauszüge mit freundlicher Genehmigung des R.Brockhaus-Verlages
Seite aktualisiert am 21.01.2009
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