Die Wahrheit über Klaus Störtebeker
Kennst du einen, der einen Vier-Liter-Humpen Bier in einem Zug trinken kann? Nein?
Klaus Störtebeker soll das gekonnt haben. Daher soll der Name ‚Störtebeker’ kommen. Stürz den Becher. Natürlich ist das nicht wahr. So wie das meiste, was du in der Schule über Störtebeker gelernt hast, nicht wahr ist.
Wahr ist nur, dass es Störtebeker gegeben hat, und dass er mehrere Kaperbriefe besaß, die Erlaubnis also, in Kriegszeiten feindliche Handelsschiffe auszurauben. Leider kam einer der Kaperbriefe aus Holland und berechtigte Störtebeker, Schiffe der Hanse, also auch Schiffe aus Hamburg zu kapern. Und so verfolgten die Hamburger Störtebeker, stellten ihn im März 1401 vor Gericht und ließen ihn auf dem Grasbrook köpfen. Das war um 1400 die übliche Strafe für Piraten.
Wahr ist auch, dass die Hamburger die Köpfe der Seeräuber an der Elbe aufspießten. Dies taten sie zum einen zur Abschreckung. Andere Seeräuber sollten sehen, welche Strafe sie erwartete, wenn die Hamburger sie erwischten. Zudem war man damals abergläubisch und fürchtete, die Geister der toten Seeräuber könnten ihre Köpfe wiederfinden und durch die Stadt spuken. Alle anderen Geschichten sind unwahr.
Vielleicht hast du von den
Vitalienbrüdern gehört, der Seeräuberbande, deren Anführer Störtebeker war. Sie sollen ein großes Herz für die Armen gehabt und ihre Beute mit ihnen geteilt haben. Wer wurde aber Pirat zu Störtebekers Zeiten? Das waren Menschen, die anderswo keine Arbeit fanden. Das waren etwa Matrosen, die sich auf früheren Seefahrten verletzt hatte, die ein Bein oder einen Arm verloren hatten und deshalb nicht anheuern konnten. Piraten kaperten Schiffe, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie konnten mit niemandem teilen. Auch Störtebeker konnte das nicht. Die Legende von Störtebeker als Robin Hood der Meere ist also falsch.
Hast du gehört, warum Störtebeker damals vor Helgoland gestellt wurde? Ein Verräter soll seine Hand im Spiel gehabt haben, ein Gefolgsmann der Hanse, der, als Blankeneser Fischer verkleidet, flüssiges Blei in das Ruder von Störtebekers Schiff goss. Störtebeker wurde gefangen genommen und mit ihm 73 Gefährten.
Auch diese Legende ist falsch, denn man hätte das Blei auf offener See schmelzen müssen. Das war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.
Der Sage nach soll der Hamburger Bürgermeister Störtebeker versprochen haben, dass alle Männer überleben durften, an denen er nach seiner Enthauptung vorbeigehen konnte. An elf Gefährten schritt er vorbei, ehe ihm sein Henker ein Bein stellte und er hinschlug. Der Bürgermeister brach dann sein Versprechen – alle 73 Seeräuber wurden geköpft
Diese Geschichte kann nicht stimmen. Es ist unmöglich, dass ein Mensch auch nur einen Schritt tut, nach dem ihm der Kopf abgeschlagen wurde..
Als man den berühmten Goldschatz der Vitalienbrüder nicht finden konnte, verkaufte man Störtebekers Schiff an einen Zimmermann. Als dieser die Säge ansetzte, um das Schiff zu zerschlagen, stieß der auf etwas Hartes: In den Masten des Schiffes verbarg sich der Schatz. Einer war mit Gold, der andere mit Silber, der dritte mit Kupfer gefüllt. Aus dem Gold fertigte man eine Krone für den Turm der Katharinenkirche.
Auch diese Geschichte ist nicht wahr. Die Kirchen hatten um 1400 gar keine Türme. Und die Piraten erbeuteten auch keine Schätze. Die Schiffe, die Gold und Silber transportierten, waren viel zu gut bewacht, als dass Piraten sie hätten kapern können. Deshalb stahlen Seeräuber eher Lebensmittel, Gewürze, Waffen und Stoffe, die sie an Land verkaufen konnten.
Nicht einmal das bekannteste Bild Störtebekers zeigt wirklich den großen Piraten. Es zeigt vielmehr Kuntz von Roosen, der ein Bediensteter Maximilians I war – genauer gesagt: Sein Hofnarr
Bastelecke: Holzbein, Säbel, Augenklappe
Für das Holzbein brauchst du:
einen großen Gummisaugnapf mit einem Holzstiel, (wie man ihn für verstopfte Abflüsse braucht) und einen Schal
Setze dich auf einen Stuhl und stülpe den Gummiaufsatz auf eines deiner Knie. Schlinge den Schal fest um das Gummi und binde ihn gut hinten in der Kniekehle fest. Wenn du jetzt aufstehst, musst du das Bein einfach nach hinten knicken.
Für den Piratenhut brauchst du:
einen Bogen schwarzes Tonpapier, Klebstoff und weiße Kreide
Falte das Tonpapier oben zusammen. Zeichne die Umrisse eines Hutes auf die Pappe. Schneide entlang der weißen Linie beide Pappseiten gleichzeitig aus. Klebe die Hutteile zusammen – aber nur an den schmalen Seiten. Wenn du magst, kannst du noch einen Totenschädel auf den Hut malen.
Für den Säbel brauchst du:
Starke Pappe, Klebstoff und Alufolie.
Zeichne den Säbel auf die Pappe und schneide ihn aus. Dann klebe die Alufolie glatt auf die Pappe. Schon hast du einen starken Piratensäbel.
Für die Augenklappe brauchst du:
Schwarze Pappe oder Tonpapier und ein Stück Hutband.
Schneide aus der Pappe einen Halbkreis, der genau auf dein Auge passt. Bohre mit einem spitzen Bleistift rechts und links ein Loch in die Pappe. Fädele das Hutband durch die Löcher und knote es an beiden Enden fest. Fertig ist die Augenklappe
Eierfärben mit natürlichen Farben
Auch wenn du Ostereier färbst, kannst du auf deine Gesundheit achten. Küntliche Farbstoffe sind nämlich nicht nötig. Du kannst die Eier prima mit Farben aus der Natur färben. Rote Farbe bekommst du durch Rote Beete, gelb durch Curcuma oder Kamillenblätter. Mit Spinat oder Bernnnesseln färbst du Eier grün, mit Schwarztee oder Zwiebelschalen braun und mit Heidelbeeren oder Fliederbeeren blau.
Um mit natürlichen Substanzen zu färben, kochst du sie zunächst mit einem Liter Wasser zu einem Sud. Nimm am besten einen alten Topf, denn einige der Farbstoffe können Spuren hinteralssen, die du später nur noch schwer entfernen kannst. Für einen Liter Wasser brauchst du zwei bis drei Tassen voll mit Blüten, Blättern oder Beeren. Nach einer Viertelstunde gibst du den Sud durch ein Sieb. Die Reste von Spinat und Rote Beete kommen in den Bio-Müll.
Nun legst du die hartgekochten Eier in den Sud. Wie lange du sie drinnen behältst, bleibt dir überlassen. Am besten nehmen sie die Farbe an, wenn du sie gerade erst gekocht hast und sie noch warm sind. Du kannst die Eier auch im Sud abkühlen lassen.
Mit Zitronensaft oder Essig kannst du die obere Farbschicht ein weinig wegätzen. So entstehen tolle Muster. Tauche einfach ein Wattestäbchen in Essig oder Zitronensaft und trage dann Punkte oder kleine Striche auf die Eier auf. Lasse die Säure einwirken und tupfe sie wieder weg, wenn dir der Farbton gefällt. Dann kannst du an einer anderen Stelle weiterarbeiten.
Rezept: Piraten-Bruschetta
Dies ist ein toller Imbiss für dich und deine Seeräuberbande
Du brauchst:
8 Tomaten
2 Knoblauchzehen
etwas Olivenöl
16 Basilikumblätter
8 Scheiben Toastbrot
Salz und Pfeffer
Zuerst schneidest du die Tomaten in kleine Würfel und gibst sie in eine Schüssel. Dann ziehst du von den Knoblauchzehen die Haut ab und hackst sie fein. Gib den gehackten Knoblauch mit einem Esslöffel Olivenöl zu den Tomaten.
Halbiere die Toastscheiben und röste sie im Backofen, bis sie knusprig braun sind. Dann beträufelst du die Brotscheiben mit je einem Teelöffel Olivenöl und verteilst die Tomatenmischung auf den Broten. Salz und Pfeffer streust du nach Geschmack darüber. Zum Schluss garniertst du die Brotscheiben mit je einem Basilikumblatt.
Spieltipp: Schiffe versenken – mal anders
Schiffe versenken ist ein lustiges Spiel für deine Piraten-Party.
Fülle eine große Schüssel mit Wasser und lasse darin eine kleinere Schüssel, das Schiff, schwimmen. Jeweils zwei Kinder geben nun abwechselnd mit einem Becher Wasser in die kleine Schüssel. Wer das Schiff am Ende versenkt, hat gewonnen.
Neues vom großen grauen Wolf
Eines Morgens sagte die Maulwürfin zu ihrem Mann, dem großen grauen Wolf: „Hör zu, Männe, ich werde heute meine Freundin, die Bisamratte, besuchen. Wir wollen eine Bootsfahrt unternehmen und ein Picknick machen.“ Der große graue Wolf lag noch im Bett. Er war müde. „Hmmm“, gähnte er und drehte sich träge zur anderen Seite. „Ich werde vor heute Abend nicht zu Hause sein.“, fuhr die Maulwürfin fort. „Hörst du mir überhaupt zu?“ „Hmmm“ brummte der Wolf noch einmal und zog sich die Decke über beide Ohren. „Ich habe vergessen, einzukaufen“, sagte die Maulwürfin. „Wenn du hungrig bist, musst du zum Fuchs gehen.“ Der Fuchs war der Kaufmann in dem Wald, in dem der Wolf und die Maulwürfin lebten. „Kauf dir dort ein fettes Kaninchen“, sagte die Maulwürfin. „Oder geh zum Bauern Schmidt und stiehl ein paar Eier.“ „Hmmm“, machte der Wolf. Dann schlief er wieder ein.
Die Maulwürfin zog ihren schönsten Mantel an – sie hatte einen schwarzen glänzenden, der sehr elegant war – und verließ die Wolfshöhle.
Der Wolf schlief und schlief. Er erwachte erst, als die Sonne schon hoch am Himmel stand. Er erwachte, weil er Hunger hatte. Er blieb im Bett liegen, weil es so mollig warm und weich und gemütlich war. „Maulwürfin!“ rief er. Natürlich hatte er vergessen, was die Maulwürfin am Morgen zu ihm gesagt hatte. „Maulwürfin!“. Denn er hoffte, die Maulwürfin würde kommen und ihm einen Becher Kaffee ans Bett bringen, einige Scheiben geröstetes Weißbrot und mindestens drei oder vier Spiegeleier mit Schinken. Aber die Maulwürfin kam nicht.
„Ich werde ihr Beine machen“, brummte der Wolf ärgerlich und tapste in die Küche, um nach der Maulwürfin zu suchen. Doch er fand sie nicht. Sie war auch nicht in der Wohnstube. Da fiel ihm ein, dass die Maulwürfin ausgeflogen war zusammen mit ihrer Freundin, der Bisamratte. „Alles muss man selber machen“, ärgerte sich der große graue Wolf. „Brot rösten...“ Er schaute in den Brotkorb – leer. „Eier braten...“ Er steckte seine Nase in die Speisekammer – leer! Er öffnete den Kühlschrank – leer! „... sogar Einkaufen!“ Es gab nichts zum Essen in der Wolfshöhle. Nur ein paar Kaffeebohnen waren noch da und ein Rest Zucker.
Der Wolf zog seinen Mantel an, der lange nicht so schick war wie der der Maulwürfin, und seine Stiefel. Er setzte sich seinen Hut auf und verließ die Wolfshöhle, um sich etwas zu Essen zu besorgen. Zunächst ging er zum Kaufladen. „Geschlossen!“ rief ihm der Fuchs schon von weitem entgegen. „Heute ist Fuchsostern!“ Am Eingang zur Fuchshöhle war eine lange Tafel gedeckt. Dort saßen der Fuchs und die Füchsin, die Fuchsomi und der Fuchsopa die Fuchstanten, die Fuchsonkel und alle Fuchskinder. Auf dem Tisch stand ein großer Korb bunt gefärbter Eier. Der Wolf verwunderte sich. „Fuchsostern?“ fragte er. „Aber wir haben September. Ostern ist im Frühjahr. Im April, manchmal auch im März!“ „Wir Füchse feiern Ostern, wann immer wir Lust dazu haben!“ entgegnete der Fuchs. „Dann werde ich zum Bauern Schmidt gehen und mir ein paar Eier holen!“ brummte der Wolf. „Der hat keine Eier menr“, entgegnete der Fuchs. „Ich habe heute früh alle weggesammelt. Bauer Schmidt und sein Gesindel suchen überall auf dem Hof nach dem Dieb!“
Der Fuchs gab dem Wolf ein grün gefärbtes Ei mit auf den Weg. Der Wolf fraß es im Weitergehen. Er fraß es mit Schale, weil er so hungrig war, aber er wurde nicht satt davon. Im Gegenteil, jetzt hatte er richtig Appetit bekommen. Er musste jetzt etwas essen. Sofort.
„Was haben die Wölfe früher gemacht, wenn sie hungrig waren?“ fragte sich der Wolf. „Als es noch keine Maulwürfinnen gab, die für sie sorgten? Sie sind auf die Jagd gegangen!“ Auf die Jagd! Der große graue Wolf war ein schlechter Jäger. Er war dick und alt und träge geworden. Er hatte keine Lust mehr, Kaninchen hinterher zu hetzen, bis er ganz außer Atem war. Kaninchen, die ihm am Ende doch entkamen. Und meistens brauchte er auch zu jagen. Er hatte ja die Maulwürfin, die Kaninchen für ihn einkaufte, briet und abends in einer fetten Soße servierte.
„...und sie sind zum Fischen gegangen!“ überlegte der Wolf weiter. Angeln! Das war genau das Richtige für den Wolf! Man warf die Angel ins Wasser, legte sich gemütlich in die Sonne und wartete, bis ein großer Fisch anbiss. Dann holte man die Angel wieder heraus – und schon hatte man etwas zum Essen.
Also ging der große graue Wolf zum Fluss hinunter, um zu angeln. Als er aber dort ankam, sah, dass im Wasser Äpfel schwammen, schöne dicke rote Äpfel. Da wusste er, dass er auch nicht zu angeln brauchte.
Normalerweise machte sich der Wolf nichts aus Äpfeln. Er fraß lieber Kaninchen. Aber er hatte Hunger. Und diese Äpfel sahen einfach köstlich aus. Sicherlich waren sie zuckersüß. Dem Wolf lief das Wasser ihm Munde zusammen. Einen dieser Äpfel – wenigstens einen – musste er probieren. Am liebsten wollte er alle fressen.
Vorsichtig, ganz vorsichtig streckte der Wolf die linke Vorderpfote nach den Äpfeln aus. Er konnte keinen erwischen. Sie schwammen zu weit draußen auf dem Fluss. Der Wolf zog die Pfote zurück. Er probierte noch einmal. Er streckte sich ... mehr ... noch mehr ... Es hatte keinen Zweck. Er griff immer nur ins Wasser.
„Die Äpfel schwimmen im Wasser’, dachte der Wolf bei sich. ‚Und ich bin hier draußen. Wenn ich einen Apfel fressen möchte, muss ich...pfui Teufel! – ins Wasser springen und mir einen holen!“ Der große graue Wolf erschauderte. Er konnte Wasser nicht leiden. Es war so sonnig und warm hier am Ufer des Flusses und im Wasser war es so nass und – er steckte noch einmal seine Pfote ins Wasser – abscheulich kalt! Sollte er doch lieber angeln? Dann musste er erst eine Angel besorgen vom Biber oder vom Fischotter, vielleicht hatte der Dachs auch eine. Er musste er fette Würmer suchen als Köder. Und ob dann wirklich ein Fisch anbiss...? Er wusste es nicht. Es war so viel einfacher, sich aus dem Wasser ein paar Äpfel zu holen. Vielleicht konnte er auch ein anderes Tier bitten. Ein Tier, das am Fluss lebte und gut schwimmen konnte. Den Biber zum Beispiel. „Biber!“ rief er. Aber der Biber kam nicht. Oder die Bisamratte. Nein, die war mit der Maulwürfin ausgegangen. Und die Wasserratte? „Wasserratte“, rief der Wolf. Auch die Wasserratte kam nicht. Der Wolf wurde ungeduldig. „Wasserratte“, brüllte er noch einmal. Und: „Fischotter!“ Niemand kam. Endlich kam die Wasserratte angeschlurft. Langsam, als gäbe es nichts zu tun. „Was gibt es?“ fragte sie träge.
„Hol mir die Äpfel dort aus dem Wasser“, schnauzte der Wolf. „Nein“, sagte die Wasserratte freundlich. „Du hast nicht ‚bitte’ gesagt.“ Dann sprang sie ins Wasser und schwamm davon. „Wasserratte, heee, Wasserratte“, rief der Wolf. „Bitte, bitte, liebe Wasserratte!“ Die Wasserratte hörte nicht. „Fischotter! Bisamratte!“ Niemand kam. Der Wolf musste schwimmen, wenn er denn einen Apfel haben wollte.
Seufzend zog der Wolf zog er seinen Mantel aus und legte ihn ins Gras. Er zog die Stiefel aus und stellte sie neben den Mantel. Er nahm den Hut ab und hängte ihn in die Zweige eines Baumes am Flussufer. Dann nahm er all seinen Mut zusammen. Er schloss die Augen, hielt sich die Nase zu und stürzte sich kopfüber ins Wasser. Es platschte. Es klatschte. Es spritzte. Wasser drang ihm in die Ohren und ins Maul. Er prustete. Er spuckte. Als er keinen Grund unter den Füßen fand, begann er zu schwimmen. Er konnte gut schwimmen, wenn er musste. Er schwamm zu der Stelle, wo er die Äpfel gesehen hatte. Es waren keine Äpfel da. Merkwürdig. Dabei hatte er sie doch ganz genau gesehen. Hatte er geträumt? Oder war ein anderes Tier gekommen und hatte die Äpfel gefressen? Die Wasserratte?
Der große graue Wolf schwamm zurück zum Ufer und kletterte aus dem Wasser. Er war sehr wütend. Er schimpfte und fluchte. Dann schüttelte er das Wasser aus seinem Pelz und legte sich zum Trocknen in die Sonne. Was für ein Glück, dass es so warm war!
Nach einer Weile war das Wasser wieder ruhig und klar. Da sah er die Äpfel wieder. Das war doch nicht möglich! Der Wolf rieb sich die Augen. Er sah die Äpfel wieder – genau dort, wo er sie schon einmal gesehen hatte.
Der große graue Wolf hatte immer noch Hunger. Sein Magen knurrte laut. „Ich probiere es wieder“, sagte er zu sich und sprang ins Wasser. Noch einmal schwamm er zu der Stelle, wo er die Äpfel vermutete. Doch es waren keine Äpfel da.
Warum konnte er die Äpfel nicht finden, die er doch vom Ufer aus gesehen hatte? „Wahrscheinlich“, dachte der Wolf ‚weil sie nicht auf dem Wasser schwimmen, sondern am Grund liegen.“ Das war die Lösung. So musste es sein. Der Wolf tauchte. Sorgfältig suchte er den Grund ab. Aber auch dort fand er keine Äpfel.
Der Wolf tauchte wieder auf und schwamm zurück zum Ufer. Er legte sich in die Sonne, um sich aufzuwärmen, denn das Wasser war kalt und er fror. Als das Wasser wieder ruhig wurde, sah er die Äpfel erneut.
Wütend sprang der große graue Wolf auf. „Jetzt reicht es mir aber“, rief er. „Jetzt werd“ ich sie holen. Und dann werd’ ich sie samt und sonders auffressen – mit Kernen, Schale und Stiel!“ Und er hatte auch schon einen Plan. Er hatte, so sagte er zu sich selbst, die Äpfel nicht finden können, weil er nicht lang genug unter Wasser gewesen war! Würde er nur länger tauchen – er würde sie alle finden, ganz egal, wo sie sich versteckt hielten. Er würde sich große Wackersteine suchen. Die würde er an seine Füße binden. Dann wäre er schwerer und könnte länger unter Wasser bleiben.
Der Wolf machte sich auf die Suche. Er fand einen großen Stein eine lag unter einem Grasbüschel, einen anderen in einer Brombeerhecke. Ein Stein lag zwischen den Brennnesseln am Wegrand, den vierte im Stamm einer hohlen Eiche. Der Wolf band sich die Steine an seine Füße. Er band sie fest mit den Schnürsenkeln aus seinen Stiefeln. Dann sprang er ins Wasser. Sogleich ging er unter wie ein Sack voller Sand. Er suchte überall am Grund,. Er schaute hinter jeden Stein, hinter jede Wasserpflanze. Er konnte keine Äpfel finden.
Da ging dem großen grauen Wolf plötzlich die Luft aus. Er musste nach auftauchen, um Atem zu holen, aber er konnte nicht, weil an seinen Beinen die schweren Steine hingen. Er wollte sich frei strampeln. Aber wenn man sich schwere Wackersteine an die Füße gebunden hat, kann man nicht strampeln.
Der große graue Wolf hatte Angst. Er glaubte, ertrinken zu müssen. Und er wäre auch ertrunken, wenn...ja, wenn nicht der Fuchs mit seiner Familie gekommen wäre. Der Fuchs und die Füchsin, die Fuchsomi und der Fuchsopa, die Fuchsonkel und –Tanten und alle Fuchskinder machten gemeinsam ihren Osterspaziergang um das Osterfrühstück zu verdauen. Sie spazierten am Flussufer entlang, als sie sahen dass unter Wasser der Wolf um sein Leben kämpfte. Da sprang der Fuchs ins Wasser und packte den Wolf am Schwanz. Und die Füchsin packte den Fuchs am Schwanz, die Fuchsomi packte die Füchsin, der Fuchsopa die Fuchsomi und so ging das hin bis zum kleinsten Fuchskind. Unter lautem „Hauruck!“ zogen sie den Wolf ans rettende Ufer.
Der Wolf jappte und schnappte. Er prustete und keuchte. Er spuckte Wasser. Dann brach er ohnmächtig zusammen. Der Fuchs band die Steine von seinen Füßen los, bettete ihn im weichen Gras unter einem Apfelbaum und deckte ihn mit seinem Mantel zu und ging dann mit seiner Familie von dannen.
Es dauerte eine Weile, bis der Wolf wieder zu sich kam. Er schaute sich um. Wo war er? Wie war er hierher gekommen? Langsam fiel ihm die dumme Geschichte von den Äpfeln im Fluss wieder ein. Nur durch Zufall schweifte sein Blick nach oben. Da sah er über sich im Geäst eines Baumes Äpfel hängen. Dicke rote Äpfel. Die Äpfel spiegelten sich im Wasser des Flusses.
Da wurde der große graue Wolf schrecklich wütend. So wütend wurde er, wie er in seinem Leben noch nicht gewesen war. Der Baum hatte ihn zum Narren gehalten – die ganze Zeit. Das sollte er büßen. Der Wolf suchte und suchte und fand schließlich im Gras einen großen Stock. Den Stock nahm er und drosch damit auf den Apfelbaum ein. Und wie er so drosch sagte es plötzlich ‚Plopp’. Da hatte sich ein Apfel aus den Zweigen des Baumes gelöst und war dem Wolf auf den Kopf gefallen. Da wurde der Wolf noch wütender. „Na warte“, schrie er, stürzte sich auf den Apfel und fraß ihn. Der Apfel war verfault.